Wohnmobilmarkt: Hersteller bremsen, Stellplätze füllen sich
Der Wohnmobilmarkt normalisiert sich, doch Stellplätze bleiben gefragt. Du erfährst, was Zahlen, Engpässe und Trends für deine Reiseplanung im Camper bedeuten.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Produktion von Freizeitfahrzeugen in Deutschland ist 2024 deutlich gesunken: 118.641 Fahrzeuge liefen vom Band, 16,4 % weniger als 2023.
- Der Rückgang betrifft Caravans stärker als Reisemobile. Gleichzeitig stiegen die Neuzulassungen in Deutschland auf 96.392 Fahrzeuge.
- Stellplätze bleiben in vielen Regionen gefragt. Besonders im Süden Europas kann es in der Wintersaison eng werden.
- Für deine Reiseplanung heißt das: früh prüfen, flexibel bleiben und bei Ver- und Entsorgung nicht erst am Zielort suchen.
Vom Boom zurück in einen ruhigeren Markt
Auf Caravaning-Messen stehen weiterhin viele neue Modelle. Trotzdem ist der Markt nicht mehr in der Ausnahmelage der vergangenen Jahre. Nach starkem Wachstum normalisiert sich die Branche.
In Deutschland wurden 2024 insgesamt 118.641 Freizeitfahrzeuge produziert. Das waren 16,4 % weniger als 2023. Besonders deutlich fiel der Rückgang bei Caravans aus: 33.899 Einheiten bedeuten ein Minus von rund 24 %.
Auch die Reisemobil-Produktion sank. Sie lag 2024 bei 84.742 Einheiten, also 12,7 % weniger als im Vorjahr. Für Käuferinnen und Käufer ist das kein einfacher Befund, aber auch kein Zeichen für Stillstand.
Der Markt hat sich von Knappheit zu mehr Auswahl bewegt. Das kann für dich bedeuten: mehr Fahrzeuge beim Händler, mehr Verhandlungsspielraum und weniger Druck, sofort zu entscheiden. Trotzdem bleiben Lieferzeiten, Ausstattung und Basisfahrzeug wichtige Punkte beim Kauf.
Warum Hersteller die Produktion gebremst haben
Während der Pandemie und durch die Folgen des Ukraine-Kriegs hatten Lieferketten viele Hersteller ausgebremst. Fahrzeuge wurden bestellt, aber später ausgeliefert. Als sich die Lage entspannte, standen auf einmal mehr Fahrzeuge im Handel.
Aus Knappheit wurde in Teilen ein Überangebot im Handel. Hersteller reagierten mit weniger Schichten, Fertigungspausen und angepasster Planung. Knaus Tabbert stoppte zum Beispiel die Produktion an zwei Werken, in Jandelsbrunn und Nagyoroszi, ab Mitte November 2024 bis Jahresende.
Laut Branchenangaben sollte sich der Bestand im Handel im ersten Halbjahr 2025 normalisieren; ob das inzwischen eingetreten ist, ist uns nicht dokumentiert. Das ist wichtig, weil übervolle Händlerhöfe auf Dauer weder für Hersteller noch für Händler gesund sind.
Was das für dich beim Fahrzeugkauf bedeutet
- Vergleiche nicht nur den Listenpreis, sondern auch Ausstattung, Zuladung, Lieferzustand und Garantiebedingungen.
- Prüfe bei sofort verfügbaren Fahrzeugen genau, ob Grundriss, Motorisierung und Gewicht zu deiner Nutzung passen.
- Wenn du ein großes Reisemobil planst, achte früh auf Führerschein, Gesamtgewicht, Achslasten und realistische Zuladung.
- Bei Gebrauchtfahrzeugen lohnt ein genauer Blick auf Feuchtigkeit, Wartung, Reifenalter und Einbauten.
Die Nachfrage ist nicht verschwunden
Trotz Produktionsrückgang bleibt die Branche groß. Der Branchenumsatz lag 2024 bei 15,1 Mrd. Euro. Das waren rund 6 % weniger als im Rekordjahr 2023, aber weiterhin ein hohes Niveau.
Parallel stiegen die Neuzulassungen in Deutschland auf 96.392 Fahrzeuge. Das entspricht einem Plus von 6,7 %. Ein Grund: Viele zuvor bestellte Fahrzeuge wurden erst später zugelassen.
Für dich als Reisende oder Reisender zeigt sich daran ein gemischtes Bild. Die Produktion wurde gebremst, aber das Interesse am Reisen mit Wohnmobil und Caravan bleibt hoch. Genau deshalb wächst der Druck auf Stellplätze, Campingplätze und kommunale Infrastruktur.
Stellplätze in Europa: gefragt, aber nicht überall ausreichend
Viele Camper fahren im Winter Richtung Süden. Dort treffen mehr Reisemobile auf begrenzte Flächen. Berichte von Betreibern deuten darauf hin, etwa im Raum Cartagena in Spanien: Trotz einzelner neuer Plätze in den vergangenen Jahren sollen die Kapazitäten in der Hauptsaison knapp bleiben.
Fahrzeuge stehen dort teils auf Parkplätzen oder brachliegenden Flächen, wenn offizielle Plätze belegt sind. Einzelne Betreiber berichten von hoher Auslastung über die Saison und bauen Zusatzangebote wie Pool oder Strandbar aus, vielerorts gibt es Wartelisten. Eine belastbare, einheitlich erhobene Auslastungszahl für die gesamte Region liegt uns nicht vor, deshalb nennen wir hier bewusst keine Prozentzahl.
Auch in Deutschland bleibt Camping stark nachgefragt. 2024 wurden 42,9 Mio. Übernachtungen auf Campingplätzen gezählt. Das entspricht einem Plus von 1,4 % gegenüber 2023 und dem dritten Rekordjahr in Folge. Camping macht damit einen zweistelligen Prozentanteil aller Übernachtungen in Deutschland aus.
Auch im PlatzX-Verzeichnis zeigt sich diese Nachfrage: Von allen öffentlich sichtbaren, freigeschalteten Einträgen sind aktuell 6.100 Stellplätze in Deutschland gelistet (Stand 18.08.2026, alle aktiv gelisteten Einträge gezählt). Weitere Einträge befinden sich im Freigabeprozess und sind noch nicht öffentlich sichtbar, sie sind in dieser Zahl nicht enthalten.
Für Kommunen ist das Chance und Aufgabe zugleich. Neue Stellplätze können Innenstädte, Gastronomie und regionale Angebote stärken. Sie funktionieren aber nur gut, wenn Zufahrt, Entsorgung, Lärmschutz und klare Regeln mitgedacht werden.
Praktische Planung für volle Regionen
- Rufe bei kleinen Stellplätzen vorab an, wenn du spät ankommst oder ein großes Fahrzeug fährst.
- Plane eine zweite Option in erreichbarer Nähe ein, besonders an Wochenenden, Feiertagen und in Ferienzeiten.
- Prüfe vor der Anfahrt, ob Ver- und Entsorgung vorhanden ist oder ob du vorher entsorgen solltest.
- Meide enge Altstadtzufahrten, wenn dein Wohnmobil lang, breit oder schwer ist.
- Reist du mit Hund, prüfe Leinenpflicht, Auslaufmöglichkeiten und Regeln auf dem Platz vorab.
Preise und Qualität: mehr Service kostet oft mehr
Mit dem Ausbau steigen mancherorts auch die Preise. Im valencianischen Jalón kostete ein einfacher Stellplatz früher wenige Euro pro Nacht. Nach dem Ausbau mit mehr Service liegt der Preis heute spürbar höher. Voll ausgestattete Campingresorts können deutlich darüber liegen.
Das ist nicht automatisch schlecht. Strom, Sanitäranlagen, Entsorgung, Personal, Pflege und Buchungssysteme kosten Geld. Entscheidend ist, ob Preis und Leistung zusammenpassen.
Für einfache Übernachtungen reicht vielen ein sauberer Stellplatz mit sicherer Lage, Stromoption und Entsorgung. Wer länger bleibt, achtet eher auf Sanitär, Waschmöglichkeiten, Schatten, Ruhe und Nähe zu Einkauf oder ÖPNV.
Worauf du beim Stellplatz achten solltest
- Ist die Zufahrt für dein Fahrzeug geeignet, auch bei Gegenverkehr oder engen Kurven?
- Gibt es eine Entsorgungsstation für Grauwasser und WC-Kassette?
- Ist Strom pauschal enthalten oder wird nach Verbrauch abgerechnet?
- Wie laut ist die Lage nachts, etwa durch Straße, Bahn, Hafen oder Veranstaltungsgelände?
- Gibt es klare Regeln für Markise, Campingverhalten und Aufenthaltsdauer?
Elektrifizierung: erste Konzepte, noch keine einfache Antwort
Auch bei Wohnmobilen kommt Bewegung in die Elektrifizierung. Challenger, eine Marke von Trigano, stellte 2024 auf dem Caravaning-Salon in Paris ein Dual-Mode-Konzept namens ElectriX vor.
Das Konzept kombiniert Diesel für Reichweite mit einer 37-kWh-Batterie für bis zu rund 100 km rein elektrisches Fahren. Das kann vor allem für Innenstädte, Umweltzonen oder kurze Etappen interessant sein.
Für den Alltag bleiben aber offene Fragen: Gewicht, Preis, Ladeinfrastruktur, reale Reichweite und Nutzlast sind bei Wohnmobilen besonders wichtig. Wer heute kauft, sollte genau prüfen, ob neue Antriebskonzepte zum eigenen Reiseprofil passen.
Sharing statt Kaufen: leichter Einstieg, andere Kompromisse
Nicht jeder muss ein eigenes Wohnmobil besitzen. Yescapa und Goboony fusionierten 2023 zu einer großen Camper-Sharing-Plattform in Europa. Genannt werden rund 30.000 Fahrzeuge in mehr als 10.000 Städten und eine Position in den weltweiten Top 3.
Sharing senkt die Einstiegshürde. Du kannst verschiedene Fahrzeugtypen testen, bevor du kaufst. Gleichzeitig musst du mit Übergabezeiten, Kaution, Versicherungsregeln und begrenzter Verfügbarkeit leben.
Für Einsteiger ist das trotzdem praktisch. Ein gemieteter Kastenwagen zeigt dir schnell, ob du mit wenig Stauraum zurechtkommst. Ein teilintegriertes Reisemobil macht deutlich, wie wichtig Länge, Wendekreis und Zuladung im Alltag sind.
Workation und mobiles Arbeiten im Camper
Mobiles Arbeiten bleibt ein Thema. Hersteller und Ausbauer reagieren mit Stromlösungen, Konnektivität und besseren Arbeitsplätzen im Fahrzeug. Für digitale Arbeit im Camper reicht aber nicht nur ein Tisch.
Wichtig sind stabile Energieversorgung, gute Sitzposition, Schatten, Belüftung und ein verlässliches Netz. Wer regelmäßig arbeitet, sollte Stellplätze nach Ruhe, Empfang und Stromversorgung auswählen, nicht nur nach Aussicht.
- Nimm für Videotermine einen Plan B mit, etwa einen Ort mit besserem Empfang.
- Prüfe, ob der Platz Dauerstrom erlaubt und wie hoch die Absicherung ist.
- Denke an Hitze: Arbeiten im geschlossenen Fahrzeug kann im Sommer schnell unangenehm werden.
- Schütze Laptop und Akkus vor direkter Sonne und Feuchtigkeit.
Beste Reisezeit: Nachfrage schlägt Wetter
Die beste Reisezeit hängt nicht nur vom Wetter ab. In beliebten Regionen zählen Ferien, Feiertage, lokale Veranstaltungen und Überwinterungsverkehr genauso stark.
Im Sommer sind Küsten, Seen und Alpenregionen oft früh voll. Im Winter steigt der Druck in südlichen Regionen. In der Nebensaison findest du häufiger ruhigere Plätze, musst aber mit geschlossenen Sanitäranlagen, kürzeren Öffnungszeiten oder weniger Infrastruktur rechnen.
Wenn du flexibel bist, plane Etappen außerhalb der klassischen Anreisetage. Eine Ankunft am Vormittag oder frühen Nachmittag kann helfen, vor allem auf nicht reservierbaren Stellplätzen.
Fazit: Der Markt sortiert sich, die Stellplatzfrage bleibt aktuell
Der Wohnmobilmarkt ist nicht mehr im Ausnahme-Boom. Hersteller passen Produktion und Lagerbestände an, während die Nachfrage nach Reisen mit Wohnmobil und Caravan hoch bleibt.
Für dich ist vor allem die Stellplatzsituation relevant. Mehr Fahrzeuge, mehr Übernachtungen und regionale Engpässe bedeuten: gute Planung zahlt sich aus. Das gilt besonders mit großen Fahrzeugen, Hund, spätem Anreisetermin oder Bedarf an sicherer Ver- und Entsorgung.
Quellen: CIVD, Statistisches Bundesamt, Knaus Tabbert/Fachpresse, AboutcampBtoB, Goboony und PlatzX-Verzeichnis (eigene Zählung).
FAQ
Ist der Wohnmobil-Boom vorbei?
Der Ausnahme-Boom ist abgeklungen, aber die Nachfrage ist nicht weg. Produktion und Lager normalisieren sich, während Campingübernachtungen und Neuzulassungen weiter eine hohe Bedeutung zeigen.
Muss ich Stellplätze jetzt immer reservieren?
Nicht immer. In beliebten Regionen, in Ferienzeiten, an Wochenenden und im Winter in Südeuropa ist eine Reservierung oder ein Plan B aber sinnvoll.
Was ist bei großen Wohnmobilen besonders wichtig?
Prüfe Zufahrt, Platzlänge, Rangierfläche, Gewichtsbeschränkungen und Entsorgung vorab. Enge Orte, steile Zufahrten und kleine Altstadtstraßen können mit langen Fahrzeugen schnell stressig werden.
Quellen
- https://www.nussbaum.de/entdecken/news/verband-civd-weniger-reisemobile-und-wohnwagen-produziert-2426849
- https://www.presseportal.de/pm/50926/5952858
- https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/04/PD25_N023_45412_61.html
- https://www.heise.de/news/Knaus-Tabbert-Produktionsstopp-bis-Ende-des-Jahres-an-zwei-Standorten-10034722.html
- https://www.goboony.de/blog/goboony-yescapa-fusion
- https://www.aboutcampbtob.eu/triganos-challenger-and-chausson-brands-launch-their-first-dual-mode-electric-diesel-motorhomes-at-the-paris-show/
- PlatzX-Verzeichnis, eigene Zaehlung: SELECT COUNT* FROM listings WHERE is_active=1 Stand 17.08.2026